Teil III
1973 schliesslich suchte Bare nach einem Songwriter, der bereit
war, ein ganzes Album zu schreiben.
'In Nashville war es
ueblich, ein neues Album um eine erfolgreiche Single zu machen.
Ich jedoch war sehr daran interessiert, gute Alben
herauszubringen, und daraus Singles zu veroeffentlichen.
So hoerte ich mich bei den Leuten um, jedoch 90 % der
gefragten Songschreiber waren wie vor den Kopf gestossen.
Es ist eine Menge Arbeit, 12 Songs fuer ein Album zu schreiben'.
Da traf Bobby Bare auf einer Party auf Shel Silverstein,
der gerade in Nashville weilte, um Eindruecke fuer seine Arbeit
als Cartoonist vom Playboy Magazin zu sammeln.
'Da ich
wusste, dass er schon immer ein begeisterter Country Fan war
- ich hatte auch schon 'Silvia's Mother' von ihm aufgenommen,
noch bevor Dr. Hook es tat - fragte ich Shel. Well, 2 Tage
spaeter rief er mich aus Chicago an, er habe genug Material
fuer ein ganzes Album zusammen. Schliesslich sassen Shel und ich
zusammen und ich hoerte mir die ganze Nacht hindurch seine Songs
an. Es waren grossartige Lieder, sie hauten mich total um. Mit
anderen Worten, Shel war der erste, der mit dem entgegenkam,
was ich wollte.'
Das Ergebnis wurde das Doppelalbum 'Lullabys, Legends, and Lies',
das nicht nur Bare's All-Time Favorite-Album wurde, es enthielt
auch den laengst faelligen Nr. 1 Hit mit 'Marie Laveau'. Das
Album brachte eine Wende - sonst bekannt als der Saenger von
traurigen, melancholischen Songs, zeigte sich Bobby Bare erstmals
auch in seinen Liedern humorvoll.
'Ich nehme das Leben so wie
es kommt, so sind auch meine Lieder. Manchmal bin ich ernst und
dann wieder richtig 'crazy'. Ich koennte nie ein Lied aufnehmen,
das mir nicht gefaellt. Es waere schrecklich fuer mich, vielleicht
einen Hit damit zu haben, den ich dann immer wieder singen
muesste.'
Weitere Veroeffentlichungen wie 'The Mermaid' oder 'The Winner' brachten ihm wieder Top Ten Erfolge ein, und eine schoene Duett-Aufnahme mit seinem damals 6-jaehrigen Sohn Bobby Jr. 'Daddy What If' erreichte Platz 2.
'Shel oeffnete mir die Augen. Er lehrte mich so viel, beides durch die Songs und durch seine Freundschaft. Er schreibt verrueckte Songs, aber auch solch traurige, wie ich sie noch nie hoerte.'
Anstatt auf der eingeschlagenen Welle weiterzureiten 'experimentierten' Bobby und Shel im Anschluss an das Doppelabum mit weiteren Konzeptalben, wie 'Hard Time Hungrys' ein Album, das Interviews mit entlassenen Strafgefangenen und dazugehoerige witzige, aber auch nachdenkliche Lieder ueber das Thema Arbeitslosigkeit enthaelt. Auch das folgende Album' Singin In The Kitchen' enthielt ausschliesslich Texte von Shel Silverstein und wurde sehr erfolgreich. Die ganze Bare-Familie hatte sich im Studio eingefunden und ein lockeres Country Album aufgenommen. Die darauf erfolgte Nominierung zur 'Vocal Group of the Year' zog Bare jedoch mit der Begruendung zurueck, dass er sich als Country Saenger und nicht als Vocal Group verstehe. Das Album diente nur dazu, die Zeit festzuhalten, in der die Kinder noch klein waren.
Kurz vor Weihnachten 1975 verstarb Tochter Cari, gerade 15 Jahre alt, nur 3 Wochen nach dem Beginn einer seltenen Krankheit, die nur eine Lungentransplantation haette stoppen koennen. Moegliche Spender wurden zwar gefunden, jedoch waren die naechsten Angehoerigen nicht bereit zu helfen. Cari hatte erst den Sommer davor begonnen, ihren Vater auf manchen Tourneen zu begleiten.
Nach 12jaehriger Zusammenarbeit mit RCA wechselte Bobby Bare zu
Columbia Records. Neben eigenen Aufnahmen verhalf er diesmal
Rosanne Cash zum Erfolg.
'Ich wusste, dass Rosanne es schaffen
wuerde, und ich wollte ihr beim Start etwas behilflich sein.'
Dass auch Johnny Cash ueber den Erfolg der Duett-Aufnahmen 'No
Memories Hangin Round' gluecklich war, bewies 'ein Paeckchen,
voll mit meinem Lieblingstobacco, das Johnny mir schickte. Darin
lag ein Zettel 'thanks for helping my Baby.'
Nun kam eine Zeit, in der Bobby Bare feststellte, dass er - obwohl
er mit Waylon Jennings und Willie Nelson seine Karriere
bekann- doch nicht wie sie Gold oder Platin-Alben hatte.
'Es
ist einfach so, dass sie haerter an ihrer Karriere arbeiteten
als ich.
'
Obwohl er nie ganz von der Nashville-Szene
verschwunden war und immer Songs in den Charts hatte, kam Bobby
Bare ploetzlich mit neuem Schwung. Live-Auftritte in ganz USA
fuellten mehr denn je seinen Terminkalender und mit dem 'Down
and Dirty' Album stellte er wieder solch' hervorragende Songs
von Silverstein, Kristofferson und noch unbekannten Songwritern
vor, die durch beste Bare-Interpretation grosse Chart-Erfolge
wurden. Auch die nachfolgenden Alben zeigten, mit welch' noch
immer ungebrochener Begeisterung Bobby Bare das vorstellte,
woran er glaubt und was ihm gefaellt.
Alles was ich tue ist meine eigene Entscheidung. Wenn es fehlschlaegt, kann ich nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen. Andererseits, wenn es erfolgreich ist - well, dann kassiere ich den Erfolg. Ein Superstar mit all dem Glamour moechte ich gar nicht sein. Den Preis, den man dafuer zahlen muss, und den z.B. Willie Nelson zahlte, war mir schon immer zu hoch. Ich liebe das einfache Leben. In der tourneefreien Zeit bin ich gerne zu Hause bei Jeannie und den Kindern oder gehe fischen. Der Erfolg hat mich nicht veraendert, zumindest nicht in meinem Verstand. Meine Lebensgewohnheiten haben sich kaum veraendert, ich habe nur mehr Verantwortung. Ich liebe das, was ich tue und bin jetzt noch immer so aufgeregt, wen ich ins Studio gehe, wie ich es beim ersten Mal war, wobei ich immer mein Bestes gebe. Es ist schwer fuer mich, nach einem fertiggestellten Album die Singles herauszusuchen, da mir alles gleich gut gefaellt. Zu vergleichen waere es damit, als ob ich sagen muesste, welches von den eigenen Kindern ich am liebsten mag.'
Obwohl Bobby Bare oft auf Tournee ist, ist das Verhaeltnis zu
seinen Kindern bemerkenswert gut.
'Ich glaube daran, dass
es nicht die Quantitaet, sondern die Qualitaet ist, wie man
seiner Familie begegnet. Jedesmal, wenn ich nach Hause komme,
ist es wie eine grosse Party. Ich liebe meine Kinder; es gibt
wohl nichts Staerkeres als die Liebe zwischen den Eltern und
Kindern'.
Beide Soehne begleiten ihren Vater ab und zu bei seinen Auftritten, sind jedoch ausgesprochene Rock'n'Roll-Fans. 'Eines Tages hoerten sie 'Numbers' auf der Rock'n'Roll-Station, es haute sie total um.'
Auch seine bezaubernde Frau Jeannie ist bei Tourneen oft an seiner Seite zu sehen (Jeannie: 'Bobby ist so oft unterwegs, dass ich ihn begleite, um ihn oefters zu sehen. So singe ich dann auch in seinen Shows mit.') Nebenbei schreibt sie Songs und ist als Background-Saengerin, auch zu Bobby's Aufnahmen, im Studio taetig.
Soweit der Rueckblick auf Bobby Bare's 25 Jahre im Showgeschaeft seit dem Hit 'All American Boy'. Selten hatte ein Saenger bei der Auswahl neuer Songs von neuen Songwritern eine so glueckliche Hand wie er. Oft wurde er als Aussenseiter abgestempelt, dabei ist er lediglich dagegen das zu tun, was andere schon vor ihm taten. Er brachte und bringt noch immer neue Ideen in die Music City und hat einen anerkennenswerten grossen Beitrag zur Verbreitung der Country Music, auch in Deutschland, geleistet.